Kurz-Bericht von der Nationalen Armutskonferenz (NAK)

Fachtagung und Delegiertenversammlung am 1./2.12.2016

Jürgen Maier nahm als Delegierter der BAG Soziale Stadtentwicklung und GWA e.V. am 1. und 2. Dezember 2016 an der Fachtagung „Das steht doch da! – ohne richtig Lesen und Schreiben bist du arm dran“ sowie an der darauf folgenden Delegiertenkonferenz der Nationalen Armutskonferenz (NAK) teil.

Zentrale Erkenntnis der Fachtagung war, dass funktionaler Analphabetismus in zahlreichen Lebensbereichen (z.B. Bildung, Arbeit, Gesundheit) gravierende Auswirkungen hat und ein zentraler Grund für Armut darstellt. Das Schlimme daran ist, dass diese Erkenntnis wenig bekannt ist. Das Berliner Grundbildungszentrum informierte, dass jeder 7. deutschsprechende Erwachsene, 14,5 % der deutschsprachigen erwerbsfähigen Bevölkerung, d.h. 7,5 Mio Menschen in Deutschland einen Text nicht sinnentnehmend lesen und schreiben können. Wundert es uns dann noch, dass auch in benachteiligten Quartieren schriftliche Einladungen, Aushänge oft nicht gelesen und nicht verstanden werden? Wundert es uns, dass Menschen vom Jobcenter sanktioniert werden, dass Behördenschreiben in der Schublade landen? Sie werden von vielen nicht verstanden! Als Konsequenz wurde bei der Fachtagung herausgearbeitet, dass sich v.a. Soziale Dienste und Institutionen stärker mit diesem Thema auseinandersetzen und Konsequenzen erarbeiten müssen. In Berlin wird z.B. das „Alpha-Siegel“ an Institutionen verliehen, die die Tatsache des funktionalen Analphabetismus berücksichtigen. Die Institutionen, die Grundbildung (z.B. Alphabetisierungskurse) anbieten, arbeiten in einem Netzwerk zusammen, um Maßnahmen abzustimmen. Sie stehen selbstverständlich auch mit Schulen in Verbindung, um darauf hinzuwirken, dass kein Kind schon früh abgehängt wird. Denn, so die Erkenntnis, wer nach der Grundschule nicht richtig lesen und schreiben kann, hat große Mühe, dies später nachzuholen.

Die Delegiertenkonferenz war – innerhalb der Abwicklung einer umfangreichen Tagesordnung – von der Diskussion geprägt, wie von Armut Betroffene in der NAK stärker einbezogen werden könnten. Dabei wurde deutlich, dass Betroffenenbeteiligung „vor Ort“ anfangen muss, und Betroffene in ihren Lebenszusammenhängen Unterstützung für ihre Selbstorganisation brauchen. Darauf aufbauend könnten dann auch Betroffene in den Landesarmutskonferenzen oder Landesarbeitsgemeinschaften, die es in einigen Bundesländern gibt, Erfahrungen machen, um letztendlich als Delegierte von Betroffeneninitiativen in der NAK mitzuarbeiten. Mit diesem Thema wird sich die erweiterte „AG Partizipation“ der NAK beschäftigen und der Delegiertenversammlung Vorschläge machen. Für die BAG Soziale Stadtentwicklung und GWA ist die Einrichtung einer „AG Wohnen“ relevant. Sie wurde einstimmig von den Delegierten beschlossen, weil sich die NAK zu diesem Thema qualifiziert positionieren muss und will. Jürgen Maier wird in dieser AG mitwirken und die Aspekte der Sozialen Stadtentwicklung und die sozialräumliche Dimension des Wohnens einbringen. Er erhofft sich dabei weitere personelle Verstärkung aus den Zusammenhängen der BAG. Zum Abschluss der Versammlung wurde ein neues Sprechergremium gewählt. Nach dem Caritasverband wird nun die Diakonie die Geschäftsführung übernehmen. Frau Barbara Eschen von der Diakonie Brandenburg, schlesische Oberlausitz wurde einstimmig als erste Sprecherin gewählt. Außerdem sind Vertreter/innen der Arbeiterwohlfahrt, der BAG Wohnungslosenhilfe und des Armutsnetzwerks e.V. in das Sprechergremium gewählt worden.